Das Leben des Arne Leibich -Zwei. (Geschichte)

 

Zwei.

 

Es ist nun also Montagmorgen, noch nicht einmal neun Uhr und ich sitze in der Teeküche und saufe den Hanftee meiner Kollegin. Wenn schon scheiße, dann aber auch bitte richtig. Ich meine, was habe ich schon zu verlieren? Mein Haus? Ha, das hat meine Ex-Frau. Mein Auto? Macht nix, das Ding kommt eh nicht mehr über den TÜV. Meinen Job? Alles ist besser als dieser Drecksladen. Meine Eier? Erwähnte ich schon meine Ex-Frau?

Wie aus dem Nichts kommt die Pummelfee in die Küche und reißt mich und Martha aus unseren wundervollen Klängen der Bongo. „Seid ihr kacke oder was? Ihr könnt doch nicht hier sitzen und Tee trinken während ich mir die Füße wund laufe!“ Hihiii, die Füße wund laufen. Das kommt bestimmt nicht von der Arbeit sondern von der ganzen Masse die Helga schleppen muss, aber das kann ich mir grade noch so verkneifen rauszuhauen. Martha hingegen hat dazu ihre eigene Meinung, die sie postum kundtut. „Helga, du musst mal ruhiger werden. Der Arne und ich, wir sind so entspannt, das glaubst du gar nicht. Komm, setz dich zu uns, trink dir nen Kaffee und trommel deinen Kummer einfach mal raus, glaub mir, das hilft dir ungemein!“ Hat Martha der fetten Kuh grade echt den Schimmelkaffee angeboten? Ich wusste gar nicht das dieser Ökognom auch eine gemeine Seite haben kann. Aber nun denn, mir soll es doch egal sein, schließlich durfte ich ihren Tee wegtrinken und befinde mich nun auf einer Wolke, auf der ich sogar die dämliche Stasidame ertragen kann. „Ich soll was?“ Helgas Gesicht wird abwechselnd weiß und rot. Ob sie gleich einen Herzinfarkt bekommt? Der arme Bestatter der diese Masse aus dem Gebäude bewegen muss. Ob er dafür eine Mehraufwandsentschädigung beantragen kann? Oder noch besser: darf ein Bestatter eigentlich sagen „Och wissen se, die is mir nu wirklich zu fett. Die will isch net bewegen.“ Interessant, sollte ich jemals einen Bestatter kennenlernen werde ich ihn mal fragen ob es sowas wie einen Ehrenkodex in seinem Berufsfeld gibt oder ob man quasi frei Schnauze entscheiden darf wen man unter die Erde bringt und wen nicht. Ich will nur hoffen dass die dicke Helga nicht verbrannt werden will, das Feuer würde ja über mehrere Jahre lodern. Ich glaube da redet der Kiff aus mir, obwohl.. nä so würde ich auch denken wenn ich nicht so stoned wie einer der Gallagher Brüder wäre.

„Ich will keinen Kaffee, ich will das ihr auch mal arbeitet“ schnaubt Helga und rollt von dannen. Martha schaut mich Achselzuckend an und nimmt ihre Trommeltätigkeit wieder auf, hierbei summt sie ein gälisches Lied ihrer Lieblingsband Ooghna.

Um kurz vor elf wache ich auf dem kalten Boden der Teeküche auf. „Ich habe dir erneut gesagt dass du das nicht machen solltest, ich schalte mich aus, nein noch besser.. Ich bekomme einen Schlaganfall, so hast jetzt davon“ mein Gehirn scheint not amused zu sein dass ich auf meinen Kater noch die Nachwehen eines Drogenkonsums gelegt habe. Nun denn, alles ist besser als heute noch zu arbeiten. „Oh FUCK!!!“ ich springe auf und rennen auf die Toilette um mir einen Schlag kaltes Wasser ins Gesicht zu hauen. „Fuck, Fuck, Fuck..“ Siedend heiß ist mir eingefallen das heute einer der wichtigsten Kunden unserer Firma zu Besuch kommt und mit mir und unseren Chef über das nächste Quartal sprechen will. Ich werfe vorsichtig einen Blick in den Spiegel und frage mich ob mein Gehirn seine Drohung mit dem Schlaganfall nicht vielleicht doch in die Tat umsetzen könnte, bitte?

Langsam und mit schleppenden Schritten bewege mich nun tatsächlich das aller erste Mal am heutigen Tag in Richtung Büro. Ich nehme meinen Schlüssel aus der Hosentasche und schließe auf. Muffig riecht es. Naja, Montag halt. PC hochfahren, Drucker anstellen, Fenster öffnen. Alles wie jeden Tag, nur eben sehr sehr langsam denn mir dreht sich bei dem Gedanken gleich dem Kunden gegenüber zu sitzen der Magen um. Nicht nur weil ich überhaupt nicht vorbereitet bin, nein, das wäre kein Thema. Glänzen bei völliger Ahnungslosigkeit kann ich. Nein nein, es geht eher darum dass ich diesem Kunden am Wochenende mal wieder meine Liebe gestanden haben. Na erraten? Verdammt richtig!! Dieser Kunde ist niemand anderes als meine Ex Frau Anna Leibich. CEO einer riesigen Reederei. Und genau für diese Kundin soll ich den social media Bereich aufbauen. Erwähnte ich schon dass das heute ein richtig beschissener Tag ist?

 

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