Das Leben des Arne Leibich - Vier. (Geschichte)

 

Vier.

 

„Weißt du Torben, da kommt sie rein, perfekt wie immer.. und ich? Ich sehe aus wie der letzte Penner. So eine verdammte Situation. Warum wollte sie mich nicht mehr? Und warum musste Hektor dran glaube? Ich versteh das alles nicht mehr, und das schlimmste ist, mit ner Frau? Was hat denn die was ich nicht habe?“ Ich sitze mit meinem besten Freund Torben in unserer Stammkneipe. Vor mir steht mein sechster Long Island Icetea und ich bin mir nicht sicher ob ich wirklich noch so deutlich spreche, wie ich denke. „Arne, ist das dein Ernst? Jasmin ist eine Frau. Mal ehrlich, du scheinst als Kerl einfach alles bei Anna versaut zu haben, was man versauen kann, denn mal ehrlich, wenn sie dich mit nem anderen Kerl betrogen hätte, dann könntest du dich fragen was hat der, was ich nicht habe. Aber so liegt es doch eigentlich auf der Hand.“

Danke mein lieber Freund, mal wieder bist du so zärtlich wie ein Amboss zu mir. Aber ganz unrecht hat Torben nicht. Torben gehört zu der Kategorie Kumpel von dem du genau zwei Dinge immer erwarten kannst und das sind Loyalität und Ehrlichkeit. Hört sich ja zunächst nicht so schlecht an, kann aber manchmal echt wohl weh tun. Vor allem wenn man jemanden zum lästern braucht und nicht unbedingt will, dass dein bester Kumpel dir knallhart ins Gesicht sagt dass du der letzte Mann auf Erden bist und das deine Frau sich daraufhin einfach entschließt sich sexuell umzuorientieren.

„Torben“, lalle ich „ du bist ein Arschloch. Ich liebe dich, aber du bist ein Arschloch!“ Ich halte mich mit beiden Händen am Tresen fest, denn ich glaube, sobald ich mich nicht mehr festhalte, falle ich ohne Umschweife direkt vom Hocker. Aber warum eigentlich nicht. Wenn ich Glück habe falle ich so, dass wenigstens mein Gedächtnis ausgelöscht wird. Aber so wie ich mich und meinen derzeitigen Glücksbarometer einschätze passiert eher so etwas wie das ich permanent nur noch das Wort „Anna“ aussprechen kann bei allem was ich versuche zu sagen oder zu denken.

„Ja Arne, was hast du erwartet? Ich meine, schau dir mal Anna an und dann schau dich an. Mal ehrlich, was ist eigentlich in letzter Zeit bei dir los? Ja ich weiß, du willst die Scheidung, Anna nicht. Aber aus ihrer Sicht betrachtet ist das doch sogar verständlich. Ihr wart 10 Jahre verheiratet. Das heißt sie müsste als besser Verdienende für dich Unterhalt bezahlen. Das würde ich auch nicht wollen. Und du? Du siehst im Moment so aus als wenn du unter einer Brücke pennst und um ganz ehrlich zu sein; wann hast du das letzte Mal geduscht?“ Öh, da fragt er mich was. Ich glaube das war Mittwoch oder? Nein, es war Donnerstag. Ja gut. Und wieder mal hat Torben nicht ganz unrecht und ich hasse ihn dafür. Einer der Gründe warum Anna und ich noch nicht geschieden sind, obwohl wir seit zwei Jahren getrennt sind ist, das Anna die Scheidungspapiere nicht unterzeichnen will, da sie , wie Torben es schon so schön ausgesprochen hat, Unterhalt für mich bezahlen müsste. Und das wäre echt nicht wenig. Ab und an stelle ich mir vor wie ich meinem Chef sage dass er mich mal gepflegt am Arsch lecken kann und das ich kündige. Der fetten Helga würde ich endlich mal sagen, was alle anderen über sie denken und dass sie ganz dringend mal darüber nachdenken sollte, warum sich alle immer wegdrehen wenn sie beginnt zu sprechen. Und Martha… ja, ich glaube die würde ich echt ein bisschen vermissen.

„Du Arne, ich muss dir da noch was beichten.“ „Echt, was denn?“ höre ich mich nuscheln. „Anna und Jasmin haben Linda und mich am Freitag zum essen bei sich zu Hause eingeladen.“

Okay, das Leben will mich verarschen. Wo ist die versteckte Kamera? Ich bin auf einen Schlag nüchtern und kann meine Fassungslosigkeit kaum verbergen.

„Aber ihr geht doch nicht hin? Und was heißt bei denen zu Hause? Das ist mein Haus. Das hat mein Urgroßvater gebaut. Nur weil Anna den An- und Umbau finanziert hat wohnt sie da. Das ist MEIN Haus!“ „Hör zu“, beginnt Torben „Mir ist klar dass das für dich eine richtig beschissene Situation ist. Aber für mich doch auch. DU weißt doch am Besten wie gut Linda und Anna sich verstehen. Ich meine, die beiden sind seit dem Kindergarten miteinander befreundet. Was soll ich machen?“ „Was du machen sollst? Stell dich krank, sag das du MEIN bester Freund bist und verweigere einfach das Treffen.“ „Das geht nicht, denn wenn ich das mache, weißt du was mir dann mal wieder für Wochen verweigert wird? Richtig, dann kann ich mir mal wieder selbst einen von der Palme wedeln weil Linda eingeschnappt ist und mir wieder mit solchen Sätzen kommt wie: Dann geh doch zu Arne. Vielleicht hilft der dir ja, ihr seid doch so dicke.“

Super, nicht nur das ich heute erfahren habe dass mein Hund eingeschläfert wurde, nein heute ist auch noch der Tag, an dem ich erfahre dass mein bester Freund Torben Siebert ein Treffen mit meiner Ex Frau und ihrer Partnerin unserer Freundschaft vorzieht.

Ich schnappe meine Jacke, schmeiße 30 Euro auf den Tresen und verlasse die Kneipe ohne ein weiteres Wort. Soll Torben doch zur Hölle fahren.

Ich glaube der Begriff beschissen reicht allmählich für diesen Tag echt nicht mehr aus.

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