Sieben.
Ich stecke mein Handy ein, fahre den Rechner runter, überprüfe
nochmals das Fenster und gehe aus meinem Büro. Ich bin in Gedanken versunken.
Ich fühle mich leer. Ich denke ich bin… „Guten Tag Herr Leibich, na wo wollen
Sie denn hin?“ Mein Chef schaut mich ziemlich ernst an. „Ja, Tag auch.
Eigentlich war ich grade im Begriff Feierabend zu machen, mir geht es heute
nicht so gut und ich dachte mir ich könne..“ „Sie können mal ganz schnurstraks
in mein Büro kommen, das können Sie“, poltert er los. Was ist dem denn schon
wieder für eine Laus über die Leber gelaufen? Ich bin mir keiner Schuld
bewusst. Doch als ich ins Büro gehe und mich so bei ihm umschaue, schwant mir
schon was da vielleicht schief gelaufen ist. Denn auf dem Stuhl vor dem
Schreibtisch unseres Chefs sitzen Helga und Martha. Letztere blickt ziemlich
betrübt drein und knüllt ein Taschentuch in ihren schweißnassen Händen während
Helga dumm dreist grinst.
„Herr Leibich, wie mir von Frau Knopp berichtet wurde, haben
Frau Nobel und Sie in dieser Woche in unserer Teeküche Drogen konsumiert.
Stimmt das?“
Ich schaue die Pummelfee schockiert an, Martha beginnt zu
schluchzen.
„Ja, also Herr Bock, wissen Sie… wie soll ich es erklären…
Also das war so…“ „Herr Leibich, Sie reden drum rum. Und stimmt es, dass Sie in
den letzten Tagen häufiger nach Alkohol während der Arbeit gerochen haben?“
„Also Herr Bock, ich versichere Ihnen dass ich während der Arbeit nicht
getrunken habe. Und was ich in meiner Freizeit mache, dass geht Sie ja nun
wirklich nichts an. Oder sollte ich fragen ob Ihnen das neue Kleid Ihrer Frau
auch genauso gut gefällt, wie ihr?“ Mein Chef blickt mich fassungslos an. Helga
gefriert das Grinsen in ihrer Pfannkuchenvisage und Martha hält für einen
kurzen Moment die Luft an.
Ich beobachte meinen Chef Herrn Bock. Seine Gesichtsfarbe
wechselt unnatürlich oft zwischen schneeweiß, feuerrot und einem kotzgrün hin
und her. Kurz überlege ich die Flucht zu ergreifen, aber um ehrlich zu sein,
schlimmer als es eh schon ist kann es nun auch nicht mehr werden.
„Herr Leibich, es reicht! Ich habe Sie ab jetzt genau im
Auge. Ich rate Ihnen eindringlich sich nicht auch noch einen einzigen Fehltritt
zu erlauben. Ansonsten gnade Ihnen Gott!!!“ presst er zwischen seinen
gelblichen, schiefen Zähnen hervor. Am Liebsten hätte ich hysterisch losgelacht
und ihn gefragt ob er das ernsthaft als „Strafe“ ansieht, denn wenn ich ehrlich
bin habe ich schon lange keine Lust mehr auf diesen Scheißhaufen der sich Firma
nennt. Ich würde Martha vermissen, denn irgendwie genieße ich es mit dieser
alternativen Öko-Kompostiererin zu reden, aber der Rest? Doch was mache ich?
Ich nicke und nuschele ein „Tschuldigung“ vor mich her. Herr Bock starrt uns
drei an, zeigt auf die Tür und signalisiert uns somit dass wir zu gehen haben.
Kaum sind wir aus der Bürotür raus drehe ich mich zu Helga
um: „Jetzt hör mir mal zu du fiese, fette und auch unglaublich hässliche Kuh,
was bildest du dir eigentlich ein?“ Martha starrt mich an, Helga starrt mich
an. „Kannst du eigentlich noch was anderes außer petzten und versuchen andere
fertig zu machen? Mensch was muss dein Leben doch langweilig sein!“ „lass gut
sein Arne“, sagt Martha. „Nen Scheiß lass ich gut sein, soll sie sich doch mal anhören was ich über sie denke. Oder soll
ich direkt zu unserem Alten gehen und es genauso handhaben wie die?“ Helga
dreht sich um und geht. Damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet. Sie geht
einfach. Ich habe mit allem gerechnet, damit dass sie mich anschreit, direkt
wieder zum Bock reingeht oder dass sie mir eine klebt. Aber stattdessen geht
sie einfach. Ist das ihr ernst?
„Arne, Kumpel, du bist jetzt echt ein bisschen übers Ziel
hinaus geschossen“, sagt Martha mir. „Die Helga, die wollte uns bestimmt nicht
wirklich verpfeiffen. Die kann halt kein Geheimnis für sich behalten. Das liegt
der nicht in der Natur. Vielleicht sollte ich ihr einfach mal einen meiner Tees
geben, dann chillt die mal.“ Martha schaut mich mitleidig an. „Arne, wassen nun
wirklich bei dir los?“
Nach 20 Zigaretten mit Martha in meinem alten Astra schaut
sie mich an. Sie hat kein Wort gesagt. Ich habe geredet. Habe ich von Anna und
Jasmin, von Torben erzählt. Davon wie wenig ich mich geliebt fühle. Und sogar
von meinem Hund habe ich ihr erzählt. Ich warte auf eine Reaktion von Martha,
doch sie schaut stur aus dem Auto. Nach ein paar Minuten nimmt sie ihren
Rucksack, greift tief hinein und drückt mir eine Visitenkarten in die Hand.
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