Fünf.
Nachdem mich ein Taxi von meinem beschissenen Abend mit
Torben weggebracht hat und ich ziemlich besoffen die Treppen in meine
zwei-Zimmer-Wohnung hochgetorkelt bin, lasse ich mich auf die Couch fallen und
stelle den Fernseher an.
„Ja, genau. Sogar du willst mich verarschen“ knurre ich den
Fernseher an. Denn direkt nachdem ich diesen eingeschaltet habe strahlt mich
eine Blondine mit einem Tablet auf dem Schoß an und säuselt, sie würde jetzt
Parshippen. Ich zappe weiter. Elite Partner, Singles mit Niveau. Pah, ja ne ist
klar. Und genau diese niveauvollen Menschen, mit ihren hochgestochenen
Abschlüssen und Mastertiteln, die gehen dir dann fremd. Hab ich ja schließlich
selbst erlebt. Mein Kumpel Heinz tindert ja. Aber mal ehrlich, was einem da so
vorgeschlagen wird… Aber warum eigentlich nicht auch mal bei sowas anmelden,
denke ich mir und schnappe mir mein Handy. So gut es eben geht öffne ich den
Appstore. Ich gebe zu, es dauert länger als sonst, aber wenn man alles doppelt
sieht ist die Chance auch daneben zu klicken doppelt so groß.
Ich gebe in die Suchleiste: Apps für Singles ein. Klar, auf
Platz eins ist Tinder. Aber nee, da ist Heinz angemeldet und das was er da so
berichtet, dass ist nix für mich. Parship.. Ist Ihnen schon mal der Slogan von
denen aufgefallen? Alle elf Minuten verliebt sich ein Single über Parship. Nice
denkt sich der gewillte Zuschauer, aber Pustekuchen. Wenn sich doch nur ein
Single verliebt, der andere aber nicht, ja was ändert sich denn dann an der
Situation? Nix, siehste. Nicht mit mir, nein nicht mit mir. Elite Partner, ja
wie schon gesagt, dass hatte ich schon und hat mich in meine aktuelle
Lebenslage befördert.
Oh was ist das, das hört sich ja mal interessant an. Bumble.
Über diese App
Mit Bumble triffst du neue Leute, und Frauen machen hier den ersten
Schritt.
Ok, neue Leute treffen- check wäre nicht schlecht denn
schließlich bin ich nach diesem Abend auf der Suche nach einem neuen besten
Freund. Meinen alten besten Freund kann man ja bald gemeinsam mit meiner Ex,
ihrer Neuen, seiner Alten und seiner Wenigkeit beim Abendessen beobachten. Kack
Verräter. Und Frauen machen den ersten Schritt, hört sich ja nicht so schlecht
an. Super entspannt, zurücklehnen, Eier schaukeln und abwarten was sich da so
bei einem meldet. Mann muss ja nun auch nicht antworten wenn einem die Frau
nicht gefällt. Knorke, dass ist die App für mich. Betrunken wie ich bin dauert
die Anmeldung länger als es in der Floskel heißt: „Melden Sie sich jetzt an. Es
dauert nicht länger als 10 Minuten“ Jetzt noch ein Foto aussuchen und zack, ich
bin neustes Mitglied von Bumble.
Ich wache auf. Völlig angezogen liege ich auf meinem Sofa und
muss erstmal realisieren wer ich bin, wo ich bin und aus wie vielen Personen
ich bestehe. Boar, mein Kopf. „Ja genau, mich gibt es auch noch du Volldepp!
Auch wenn du mich gerne ausblendest oder einfach auf mich scheißt, zwei Abende
hintereinander Suff und noch den Kram von Martha? Du hast mich wirklich nicht
verdient.“ Ich hasse es wenn das Gehirn meint mir vorschreiben zu dürfen was
ich wann zu tun oder zu lassen habe. Langsam versuche ich mich aufzusetzen. Auf
dem Tisch liegt mein Handy. Ein Blick auf mein Display verrät mir neben der
Uhrzeit auch noch 19 „Bumble Nachrichten“. „Was zu Hölle ist Bumble“ höre ich
mich sagen. Da ich nun aber keine große Zeit habe mir die Nachrichten
anzuschauen mache ich mich erstmal für die Arbeit fertig, ich meine, das wird
bestimmt irgendein Spiel sein dass ich mir gestern im Suff runtergeladen habe.
Da wird man ja schließlich immer mit Werbung und so nem Kram vollgemüllt.
Nach einem kurzen Zwischenstopp beim Bäcker parke ich mein
Auto auf dem Firmenparkplatz ein. „Arne, du stinkst“ „Dir auch einen guten
Morgen Helga und gleichfalls.“ „Was bildest du dir ein?“ „Ach Helga, geh mir
aus dem Weg ich bin heute nicht in Stimmung.“ Wut schnaubend dreht sich die
Pummelfee weg und stampft von dannen. Wiederholt vibriert es in meiner
Hosentasche. Mensch ist dieses Spiel aber hartnäckig.
In meinem Büro angekommen starte ich den PC, öffne das
Fenster und stelle mich an dieses und zünde mir eine Kippe an. Das muss jetzt
sein. Ich nehme mir mein Handy vom Tisch und schaue mir diese App an. „Okay,
ich sollte weniger trinken!“ entfährt es mir als ich die DatingApp geöffnet
habe. 31 Nachrichten im Postfach. Zunächst klicke ich jedoch mein Profil an um
zu überprüfen, wie peinlich es geworden ist. Joar, hätte schlechter laufen
können, denn wen ich da auf dem Profilbild entdecke, das bin nicht ich. Ich
habe ein Profil für meinen „ehemaligen“ besten Freund angelegt. Torben.
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